Die Stress- und Erholungskurve

Lange oder extrem stressige Situationen wirken sich auf den menschlichen Körper und die seelische Gesundheit aus. Um das zu erklären, nutzen wir die „Stress- und Erholungs-Kurve“.

Adaptiert von der Originalarbeit von D. Siegel, 1999

Sie beschreibt das Wechselspiel zwischen Leistung und Erholung, das der Körper tagtäglich für uns leistet: Wenn Leistung gefordert wird, geht die Kurve aufwärts. Wenn Erholung möglich wird senkt sie sich sanft wieder herab.

Je nachdem, was ansteht, geht die Kurve mal aufwärts und mal abwärts. Solange die Kurve geschmeidig verläuft, sind wir anpassungsfähig. Das heißt, wir können auch bei Stress gut mit uns selbst und mit anderen umgehen.

Bei hoher Belastung muss der Körper mehr leisten. Dann geht die Kurve steiler nach oben. Das ist oft sinnvoll, zum Beispiel beim Wettkampf oder wenn wir uns vor Gefahren schützen müssen.

Schwierig wird es, wenn die Belastung zu hoch wird, oder zu lange anhält. Das macht sich ganz deutlich im Körper bemerkbar.

Bei extremer Belastung schnellt die Stresskurve in die „HOHE ZONE“. Dann ist der Körper in Kampf- oder Fluchtbereitschaft. Herz, Muskeln, Atmung und gesamtes Nervensystem laufen auf Hochtouren. Für kurze Zeiten ist das oft sinnvoll, aber wenn es lange anhält, wird es unangenehm. Häufig leidet nicht nur der Körper, sondern auch unsere Beziehungen zu Freunden, Familie und Kollegen.

Adaptiert von der Originalarbeit von D. Siegel, 2010

Das kann der Körper nur für eine gewisse Zeit leisten; was steil nach oben geht, kommt auch steil wieder runter. In der „TIEFEN ZONE“ arbeitet das Nervensystem ebenfalls schwer. Dabei fühlen viele Leute sich gleichzeitig erschöpft und angespannt, „zäh“ oder „taub“.

In der Hohen oder Tiefen Zone kostet es viel Energie, besonnen zu handeln und gut für sich und füreinander zu sorgen. Es kann sogar sein, dass es uns über eine längere Zeit gar nicht gelingt. Das macht sich bei der Gesundheit bemerkbar, aber auch an anderen Problemen, insbesondere bei unseren Beziehungen zu anderen Menschen.

In Krisenzeiten kann es hilfreich sein, dieses Wissen im Sinn zu behalten:

Wenn wir bei Überlastung „aus der Stresskurve fliegen“, geht es um natürliche, menschliche Reaktionen, nicht um Schwäche.

Jeder von uns hat eine individuelle Stress- und Erholungskurve. Wie „breit“ oder „schmal“ sie ist, kann sich je nach äußeren Umständen verändern. Das hat mit Resilienz zu tun.

Bei zu langer Überlastung kann die Kurve Geschmeidigkeit verlieren. Das das heißt, wir fliegen auch bei kleineren Belastungen raus.

Die gute Nachricht ist: Auch nach starker Stressbelastung kannst Du Deine Stress- und Erholungskurve wieder geschmeidig trainieren. Ähnlich wie ein Garten, der nach einem schweren Sturm ein bisschen mehr Fürsorge braucht, als sonst.

Um Deine Stress- und Erholungskurve geschmeidig zu halten, hilft es, auf das eigene Körperempfinden zu achten und sich ab und zu zu fragen: Ist es angenehm, unangenehm, oder neutral?

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